Nächste Woche ist es endlich so weit: Mein neues Buch über die europäische Weihnachtsbäckerei erscheint (ich kann es selbst noch nicht glauben).
Es ist ein seltsames Gefühl. Da sitzt man monatelang bei den Geschichten, recherchiert und schreibt, und dann soll man es aus der Hand geben. Und dem Drang widerstehen, alle Geschichten noch mal neu zu schreiben, denn immer wieder fällt einem etwas Neues und Schöneres ein. Und vor allem noch so viele Geschichten, die noch nicht erzählt sind ...
Aber naja, es wird jetzt schon ein richtig dickes Buch. Voll mit Geschichten über alte Weihnachtsbräuche, über Menschen und ihre Schicksale, über die Herkunft unserer Weihnachtsgebäcke und natürlich mit vielen Rezepten zum Nachbacken.
Vor allem aber Geschichten über Geschichten. Denn mir war wichtig, dass es nicht einfach nur ein Backbuch wird, sondern ich wollte ein Buch schreiben, in dem man auch abends auf dem Sofa schmökern kann, mit einer Tasse Tee und vielleicht ein paar Weihnachtskeksen auf dem Tisch.
Bis zur Veröffentlichung nächste Woche könnt ihr das Hardcover noch für 25 € vorbestellen. Danach wird der Preis steigen, denn das Buch ist doch wesentlich umfangreicher geworden, als ich ursprünglich geplant hatte.
Und natürlich gibt es nach wie vor die Möglichkeit, als Unterstützer oder Unterstützerin vorne im Buch namentlich erwähnt zu werden (in meinen Augen auch ein schönes Weihnachtsgeschenk)!
Falls es euch interessiert, hier ist der Link. Und auf der Seite gibt es auch schon ein paar Geschichten zum Lesen und Anhören.
shop.der-leiermann.com/produ…
Ich erinnere mich noch gut an die Pakete, die meine Großmutter uns jedes Jahr in der Adventszeit geschickt hat.
Das waren riesige Pakete voller Weihnachtskekse (und mit riesig meine ich wirklich riesig!).
Ich weiß bis heute nicht, wie sie das geschafft hat. Denn meine Großmutter hatte neun Kinder, und jedes von ihnen bekam in der Adventszeit so ein Paket für seine Familie.
Darin gab es Vanillekipferl, Anisbögen, Makronen. Manche davon waren mit Marmelade gefüllt, andere mit Schokolade überzogen und wieder andere mit Nüssen bestreut. Und jedes Jahr war es für uns Kinder ein besonderes Erlebnis, wenn das Paket endlich ankam und wir es öffnen durften.
Ich glaube, ich habe nie darüber nachgedacht, wie viel Arbeit da eigentlich dahintersteckte. Für uns war das einfach Weihnachten. Die Großmutter schickte ihre Kekse, wir freuten uns darüber, und im nächsten Jahr kam wieder so ein Paket.
Erst viel später wurde mir bewusst, was für ein Schatz diese Erinnerungen eigentlich sind. Und als ich begann, an meinem neuen Buch über die europäische Weihnachtsbäckerei zu arbeiten, waren sie plötzlich wieder da.
Denn während ich hier an meinem Schreibtisch saß, alte Rezepte sammelte und den Geschichten hinter den Weihnachtsgebäcken nachging, begann ich immer wieder zu träumen. Und plötzlich sah ich wieder das Paket meiner Großmutter vor mir.
Denn Vanillekipferl, Anisbögen und viele andere Weihnachtskekse kannte ich nicht theoretisch aus den Kochbüchern, sondern ich hatte sie als Kind gegessen, hatte ihren Duft noch in der Nase und wusste bei manchen genau noch, wie sie aussahen, wenn wir sie aus dem großen Paket holten.
Und von der Erinnerung an meine Großmutter aus wanderten meine Gedanken immer weiter. Denn hinter allen Rezepten und Geschichten in meinem Buch stehen immer Menschen. Menschen, die in ihren Küchen gearbeitet haben, Teig kneteten, Kekse ausstachen und immer wieder dieselben Gebäcke zubereiteten. Und die damit etwas weitergaben, das weit über die Rezepte hinausging.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum mir dieses Buch so wichtig geworden ist. Denn ich wollte nicht einfach nur eine Sammlung alter Weihnachtsrezepte zusammenstellen, sondern ich wollte vor allem die Geschichten erzählen, die sich dahinter verbergen (und mich dabei an meine Großmutter erinnern).
Inzwischen ist das Buch ja beinahe fertig. Und während ich an den letzten Seiten arbeite, denke ich manchmal daran, wie meine Großmutter damals in ihrer Küche gestanden sein muss.
Neun Kinder, neun Familien und für jede ein riesiges Paket voller selbst gebackener Weihnachtskekse.
Ich weiß wirklich nicht, wie sie das geschafft hat.
Aber ich bin froh und dankbar, dass sie sich damals die Mühe gemacht hat. Und dass ich mich daran erinnern kann.
Frühe
Im Osten graut's, der Nebel fällt,
Wer weiß, wie bald sich's rühret!
Doch schwer im Schlaf ruht noch die Welt,
Von allem nichts verspüret.
Nur eine frühe Lerche steigt,
Es hat ihr was geträumet
Vom Lichte, wenn noch alles schweigt,
Das kaum die Höhen säumet.
(Joseph von Eichendorff)
In den letzten Tagen haben mich einige von euch gefragt, wie sie sich mein neues Buch über die europäische Weihnachtsbäckerei eigentlich vorstellen können.
Ich habe ja beschlossen, jedem einzelnen Rezept eine eigene kleine Geschichte mitzugeben. Manche sind nur ein oder zwei Seiten lang, andere deutlich länger. Damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, möchte ich heute eine der kleineren Geschichten teilen.
Viel Freude beim Lesen!
............
Klejner – Dänische Weihnachtskringel aus heißem Fett
Wann genau jemand zum ersten Mal eine Klejne ins heiße Fett gleiten ließ, kann heute natürlich niemand mehr sagen. Was wir allerdings wissen (und wofür es auch schriftliche Belege gibt), ist, dass man dieses Gebäck in Dänemark schon im 16. Jahrhundert kannte und es bereits damals auf diese Weise zubereitete. Aber warum wurden Klejner nicht einfach im Ofen gebacken? Um das zu verstehen, müssen wir uns die Küchen jener Zeit ein wenig genauer ansehen.
In vielen Haushalten wurde damals noch über offenem Feuer gekocht. Gemauerte Backöfen waren zwar schon verbreitet, doch wurden sie vor allem zum Brotbacken verwendet, und das hatte einen guten Grund: Man musste sie zunächst mit Holz aufheizen, anschließend die Glut ausräumen und konnte erst dann die Brote in den Ofen schieben. Das war nicht nur zeitaufwendig und konnte die Frau des Hauses einen ganzen Tag beschäftigen, sondern verbrauchte auch eine beträchtliche Menge des kostbaren Brennholzes. Für ein paar kleine Gebäckstücke wäre das ein unverhältnismäßig großer Aufwand gewesen und da war es wesentlich einfacher, einen Topf mit Fett über das offene Feuer zu hängen und den Teig darin auszubacken.
Und offenbar war das eine ziemlich gute Idee, denn ähnliche Gebäcke finden wir nicht nur in Dänemark, sondern auch in anderen Ländern des Nordens. In Island etwa heißen sie »Kleinur« und werden dort das ganze Jahr über gegessen, nicht nur zur Weihnachtszeit.
Besonders schön finde ich eine kleine Besonderheit aus Südjütland, gleich nördlich der deutschen Grenze. Dort kennt man die Klejner auch als »vredne drenge«, als »verdrehte Jungen«. Und damit die Jungen nicht ganz so allein bleiben, gibt es auch »vredne piger«, die »verdrehten Mädchen«. Dafür werden die Teigstreifen ebenfalls in ihre charakteristische Form gedreht, anschließend aber zu kleinen Ringen geschlossen.
Doch ob nun Jungen oder Mädchen, die Klejner haben ihren Platz in der dänischen Weihnachtsbäckerei bis heute behalten. Und obwohl moderne Küchenherde längst an die Stelle der offenen Feuerstellen getreten sind, werden sie noch immer in heißem Fett ausgebacken.
Ich liebe diese stillen Morgenstunden, wenn der Tag noch nichts von mir erwartet.
Später stehen dann wieder tausend kleine Entscheidungen an und der Tag ist übervoll mit Worten und Gedanken. Und ich merke, wie anstrengend das manchmal ist.
Denn beim Schreiben sind es gar nicht die Worte, die mir schwer fallen. Sondern die vielen kleinen Entscheidungen, die ich Satz für Satz treffen muss. Wie erzähle ich eine Geschichte? Welchen Gedanken verfolge ich und welchen lasse ich fallen? Und vor allem: welchen der vielen Wege soll ich nehmen?
Aber ist es im Leben nicht ganz genauso?
Irgendein Autor hat einmal gesagt (vielleicht habe auch ich es einmal geschrieben, ich weiß es nicht mehr): Schon der Entschluss morgens vor die Tür zu gehen ist manchmal zu viel. Denn ob man nach rechts oder links geht, entscheidet über das ganze Leben.
Wenn man dann auf dem Weg ist, wird es etwas leichter, bis man an die nächste Weggabelung kommt. Und an die nächste und die nächste ...
Deshalb liebe ich diese Morgenstunden so sehr. Ich muss nichts entscheiden, keinen Weg wählen, sondern einfach nur meinen Kaffee schlürfen und in alten Büchern blättern.
Und das reicht mir für diesen Morgen.
Der Abend
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.
(Joseph von Eichendorff)
In den letzten Wochen war es hier ein wenig stiller. Das lag einfach daran, dass ich an meinem neuen Buch über die europäische Weihnachtsbäckerei gearbeitet habe. Und mit Arbeiten meine ich wirklich Arbeiten, denn in den vergangenen sechs Wochen saß ich an manchen Tagen bis zu 14 Stunden am Schreibtisch.
Natürlich hatte ich mir das alles ursprünglich ein wenig einfacher vorgestellt. Denn einige der Geschichten waren schon vor einem Jahr fertig und ich dachte, ich könnte sie einfach so übernehmen und fertig.
Aber so einfach war es dann doch nicht.
Denn mein Schreiben hat sich im vergangenen Jahr merklich verändert und vieles erzähle ich heute ganz anders. Also begann ich einzelne Stellen umzuschreiben, dann noch eine und noch eine. Und irgendwann war ich dabei, ganze Geschichten noch einmal neu zu erzählen.
Und dann kam noch etwas dazu. Ursprünglich hatte ich ja vorgehabt, zwischen die großen Geschichten einige Rezeptblöcke zu setzen. Also traditionelle Weihnachtsgebäcke aus verschiedenen Ländern vorzustellen, mit Zutaten und Zubereitung.
Aber dann bin ich auf so viele kleine Geschichten gestoßen, auf alte Bräuche und merkwürdige Begebenheiten, dass ich es irgendwann schade fand, gerade sie nicht zu erzählen.
Also habe ich beschlossen, auch jedem dieser Rezepte eine eigene kleine Geschichte mitzugeben. Manchmal nur eine Seite, manchmal zwei. Gerade so viel, dass man ein wenig über das Gebäck, seine Herkunft oder die Menschen erfährt, die es seit Generationen backen.
Und so wurden aus ein paar geplanten Wochen schließlich sechs Wochen, in denen ich kaum etwas anderes getan habe, als zu recherchieren und zu schreiben.
Inzwischen ist das Buch aber fast fertig. Und ich freue mich darauf, wenn ich es euch endlich zeigen kann. Denn es ist genau die Art von Buch geworden, die ich selbst gerne lese. Eines, in dem man blättern kann, bei einer Geschichte hängen bleibt, etwas Neues entdeckt und zwischendurch nach Lust und Laune backen (und natürlich essen) kann.
In den nächsten Tagen gibt es mehr dazu. Jetzt muss ich nur noch eine kleine Stelle (oder zwei, oder drei) ändern ...
Manchmal ist die Geschichte eines Weihnachtsgebäcks fast interessanter als das Gebäck selbst. Vor allem dann, wenn man bei der Suche nach seiner Herkunft auf immer neue Überraschungen stößt.
Nehmen wir nur das Windgebäck.
Wir in Österreich kennen diese weißen, zarten Gebilde aus Eischnee und Zucker ja als »Windgebäck«. Anderswo hingegen heißen sie Baiser oder Meringue und schon diese unterschiedlichen Namen zeigen, dass sich dahinter Geschichten verstecken, die einen durch halb Europa führen.
Eine besonders schöne stammt etwa aus dem schweizerischen Meiringen. Dort soll um 1600 ein italienischer Zuckerbäcker namens Gasparini gelebt haben, der aus geschlagenem Eiweiß und Zucker ein neues Gebäck herstellte. Nach dem Ort, an dem er arbeitete, soll das Gebäck schließlich »Meringue« genannt worden sein.
Wie gesagt, eine hübsche Geschichte. Nur dass es damit ein Problem gibt: Genau so lässt sie sich nicht beweisen.
Wenn man weitergräbt, findet man nämlich in einem italienischen Kochbuch aus dem Jahr 1570 ein Rezept, das die Sache noch verwickelter macht. Denn Bartolomeo Scappi beschreibt darin bereits kleine Kringel aus Eiweiß und Zucker, die im Ofen gebacken werden. Und das rund dreißig Jahre vor Gasparinis angeblicher Erfindung.
Auch in England finden sich frühe Rezepte für unser Gebäck. Eines davon enthält sogar die Anweisung, die kleinen Eiweißgebäcke während des Backens mit einer Kerze zu beobachten, damit sie schön weiß bleiben.
Und in Frankreich begegnet uns 1691 schließlich der Name »Meringue« in einem Kochbuch von François Massialot.
Wer hat das Gebäck also nun erfunden? Gasparini, Scappi oder vielleicht ein Zuckerbäcker, dessen Namen wir längst vergessen haben?
Wie so oft kann man nur sagen: Wir wissen es nicht ...
Mit solchen Dingen beschäftige ich mich nun schon seit mehr als einem Jahr. Und schön langsam wird es endlich fertig: mein neues Buch über die europäische Weihnachtsbäckerei (wer mich kennt, weiß, dass es weniger ein gewöhnliches Rezeptbuch wird als vielmehr eine Reise durch die Geschichte unserer Plätzchen, Stollen und Lebkuchen).
Ich habe euch ja schon erzählt, dass ich mir vorgenommen habe, vor dem Erscheinen des Buches 100 Vorbestellungen zu erreichen, um damit die erste Produktion zu finanzieren. Und mittlerweile sind schon 31 Vorbestellungen eingelangt!
Natürlich, für einen großen Verlag wären das winzige Zahlen. Aber für mich, der ich hier an meinem Schreibtisch sitze und seit Monaten an diesem Buch arbeite, ist jede einzelne Bestellung wertvoll.
Denn jede davon zeigt mir, dass sich jemand auf mein Buch freut und mir sein Vertrauen schenkt, obwohl es noch nicht ganz fertig ist. Und das ist ein wirklich schönes Gefühl.
Falls ihr Interesse habt – hier findet ihr das Buch: shop.der-leiermann.com/produ…
Über die Heide
Über die Heide hallet mein Schritt;
Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit -
Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher;
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.
Wär ich hier nur nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe - wie flog es vorbei!
(Theodor Storm)
Wisst ihr eigentlich, warum auf einem Frankfurter Bethmännchen genau drei Mandeln sitzen?
Auch hier gibt es wieder eine schöne Geschichte, und die führt uns nach Frankfurt im 19. Jahrhundert.
Damals gehörten damals die sogenannten Brenten zu den bekannten Spezialitäten: ein üppiges Marzipangebäck, das in Modeln geformt und anschließend gebacken wurde (selbst Goethes Mutter schickte ihrem Sohn jedes Jahr zu Weihnachten Frankfurter Brenten nach Weimar).
Und aus diesem Gebäck entstand im Haus der Frankfurter Bankiersfamilie Bethmann das Frankfurter Bethmännchen.
Im Jahr 1838 soll ihr aus Paris stammender Koch Jean Jacques Gautenier für einen »Fünf-Uhr-Tee« etwas Besonderes kreiert haben. Er machte aus der Marzipanmasse kleine Gebäckstücke, verfeinerte sie mit Rosenwasser und verzierte jedes davon mit vier Mandeln, die für die vier Söhne der Familie Bethmann standen: Moritz, Karl, Alexander und Heinrich.
Als Heinrich 1854 starb, soll man aus Rücksicht auf die Familie begonnen haben, nur noch drei Mandeln auf die Bethmännchen zu setzen. Und das ist bis heute so geblieben.
Ich mag solche Geschichten, weil ein Weihnachtsgebäck, das man vielleicht seit Jahren kennt, plötzlich etwas ganz anderes erzählt: von einer Frankfurter Bankiersfamilie, einem französischen Koch und vier Brüdern, an die ursprünglich vier kleine Mandeln erinnerten.
Die ganze Geschichte und natürlich auch das Rezept findet ihr in meinem Buch »Weihnachtsbäckerei – Kulturgeschichten und Rezepte«.
shop.der-leiermann.com/produ…
Spätherbst
Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern sind im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.
Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht, –
Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße, was frommt,
Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.
(Theodor Fontane)
Wusstet ihr, dass man früher mit einem Kletzenbrot einen Heiratsantrag machen konnte?
Wir sprechen hier natürlich nur von Österreich und manchen Gegenden Süddeutschlands, in denen dieses Gebäck bis heute verbreitet ist. Doch hier konnte ein Mädchen ihrem Verehrer allein durch die Schnittkante eines Brotstückes ziemlich deutlich zeigen, was sie von ihm hielt: War sie glatt, durfte er sich Hoffnungen machen. War sie rau, sah es für ihn eher schlecht aus.
Ist das nicht eine schöne Geschichte? Irgendwo in einer alten Bauernstube saß einst ein junger Mann, der mit klopfendem Herzen darauf wartete, wie ein Mädchen sein Brot anschneiden würde. Und davon schien seine ganze Zukunft abzuhängen.
Und solche Geschichten finden sich überall. Seit Monaten schon sitze ich jetzt schon an meinem neuen Buch über die europäische Weihnachtsbäckerei, und immer wieder entdecke ich dabei eine und noch eine ...
Für mich ist das schön, denn ich glaube, dass sich unsere Kultur auch im Backofen zeigt. Oder genauer: in den Geschichten, die sich rund um das Backen und die alten Weihnachtsbräuche zugetragen haben.
Es sind Geschichten von den Bräuchen der Menschen, ihren Hoffnungen und ihrem Leben. Geschichten, die sich über die Jahrhunderte hinweg immer wieder verändert haben und die trotzdem bis heute erhalten geblieben sind.
Natürlich ist so ein Buchprojekt finanziell nicht leicht zu stemmen, weshalb ich mir vorgenommen habe, vor dem Erscheinen des Buches mindestens 100 Vorbestellungen zu erreichen. Denn damit wäre schon einmal die erste Produktion finanziert.
Mittlerweile haben sich 25 Menschen entschieden, mich auf diesem Weg zu begleiten. Und darüber freue ich mich wirklich sehr, denn jede einzelne Vorbestellung bedeutet nicht nur, dass sich jemand für die Weihnachtsbäckerei interessiert, sondern vor allem, dass jemand Vertrauen in meine Arbeit hat (obwohl ich selbst noch mitten darin stecke).
Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, das Buch zu unterstützen, und die finde ich fast noch schöner. Denn wie schon bei meinem letzten Buch kann man sich auch diesmal mit seinem Namen auf einer eigenen Dankesseite verewigen lassen, oder diesen Platz zu Weihnachten an einen lieben Menschen verschenken.
Ich persönlich finde das eine schöne Vorstellung: Jemand bekommt zu Weihnachten ein Buch geschenkt, schlägt es auf und entdeckt darin seinen eigenen Namen. Und weiß, dass er damit zugleich geholfen hat, dieses Buch möglich zu machen.
Aber natürlich könnt ihr das Buch auch ganz normal vorbestellen, für euch selbst oder als Weihnachtsgeschenk.
Im Augenblick ist es übrigens noch etwas günstiger zu haben, denn das Buch wird deutlich umfangreicher als ursprünglich geplant, und damit steigen leider auch die Druckkosten. Nach dem Vorverkauf werde ich den Preis deshalb etwas anpassen müssen.
Aber wie auch immer ihr euch entscheidet: Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich bei diesem Projekt unterstützt.
shop.der-leiermann.com/produ…
Heute Morgen lag zum ersten Mal ein wenig Reif auf unserer Wiese.
Ich blieb kurz stehen, legte meine Hand aufs Gras und spürte seine Kälte. Und ich dachte daran, wie sehr ich schon als Kind dieses leise Brechen liebte.
Kennt ihr das? Man geht in der Dämmerung über eine gefrorene Wiese, ist ganz bei sich, und bei jedem Schritt knackt es unter den Schuhen. Fast so, als ginge man über Glas.
Und dann kniet man sich hin, nimmt einen gefrorenen Halm in die Hand und für einen Augenblick fällt man aus der Zeit.
Und plötzlich steigen so viele Gedanken auf, so viele Bilder.
Ein Wintertag, ich bin noch ein Kind und gehe an der Hand meines Vaters. Und er zeigt mir das wirre Muster der Krähen auf den Feldern, während das Gras unter unseren Schuhen knirscht.
Oder ich sehe mich auf einem Berg, viele Jahre später, fast schon ein Mann. Ich habe mich verirrt und weiß nicht wohin. Immer wieder nehme ich einen gefrorenen Grashalm in den Mund und lasse das Eis auf meiner Zunge schmelzen, bis ich endlich irgendwo ein Licht entdecke und den Weg ins Tal hinunter finde.
Oder ein Morgen in der Stadt. Zwischen alten Häusern ein schmaler Spalt, kaum eine Handbreit. Und darin ein paar gefrorene Grashalme zwischen Zigarettenstummeln und Glasscherben.
Tausend Welten, alles dreht sich, und in meiner Hand nur ein gefrorener Grashalm. Der langsam zwischen meinen Fingern bricht.
Der Vögel Abschied
Ade, ihr Felsenhallen,
Du schönes Waldrevier,
Die falben Blätter fallen,
Wir ziehen weit von hier.
Träumt fort im stillen Grunde!
Die Berg stehn auf der Wacht,
Die Sterne machen Runde
Die lange Winternacht.
Und ob sie all verglommen,
Die Täler und die Höhn –
Lenz muß doch wiederkommen
Und alles auferstehn!
(Joseph von Eichendorff)
Nur noch neun Wochen bis Weihnachten.
Ich weiß, eigentlich möchte man Ende Oktober noch gar nicht darüber nachdenken. Aber die ersten Lebkuchen liegen schon in den Geschäften, draußen wird es immer kälter, und wir wissen alle, wie schnell die letzten Wochen des Jahres vergehen.
Und dann steht wieder diese eine Frage im Raum: Was schenkt man seinen Liebsten?
Besonders bei Menschen, die sich für Kunst und Kultur interessieren, ist das gar nicht so einfach. Man kann natürlich ein schönes Buch verschenken, Konzertkarten oder vielleicht sogar eine kleine Reise.
Aber wie wäre es, wenn man gleich ein ganzes Jahr Kultur verschenken könnte?
Genau dafür gibt es den Leiermann Salon. Einen Ort für Menschen, die gerne lesen, neugierig geblieben sind und sich für die Geschichten hinter unserer Kultur interessieren.
Jeden Sonntag erhalten die Mitglieder einen persönlichen Salonbrief, dazu zwei Essays aus der Welt der Kunst, Musik, Literatur und Geschichte. Im Kaminzimmer, unserem kleinen Forum, können sie sich miteinander austauschen. Und im Laufe des Jahres bekommen sie auch weitere Bücher aus unserem Verlag.
Damit zu Weihnachten auch etwas unter dem Baum liegt, gibt es zur Geschenkmitgliedschaft ein schönes Willkommenspaket: ein Buch (wahlweise das Weihnachts-, Kaffee- oder Hundebuch) und eine gedruckte Mitgliedschaftskarte.
Stell euch vor, ihr schenkt einem lieben Menschen zu Weihnachten ein schönes Buch, das er noch am selben Abend auspacken kann. Und dann warten ein ganzes Jahr lang jede Woche neue Geschichten und Entdeckungen in seinem Postfach.
shop.der-leiermann.com/produ…
Falls ihr euch noch nicht entscheiden könnt (oder einfach neugierig geworden seid): Ihr könnt den Leiermann Salon auch erst einmal zwei Wochen lang kostenlos kennenlernen.
Hier geht’s zum kostenlosen Gastplatz:
salon.der-leiermann.com/de/u…
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Welt immer schneller dreht und ich kaum noch hinterherkomme. Denn alles muss sofort geschehen, alles ist durchgetaktet und »getimed«, und niemand hat mehr die Zeit (oder die Geduld), auf irgendetwas zu warten.
Das ist mir erst letztens wieder aufgefallen. Ich warte auf ein paar Bücher, und ich weiß, dass sie erst in ein paar Tagen kommen werden. Aber trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich immer wieder mein Postfach öffne und nachschaue, ob sie nicht doch schon verschickt wurden.
Und so geht es uns inzwischen doch bei allem, oder? Wenn wir einen Film sehen möchten, ist er meist nur einen Klick entfernt und wir müssen nicht mehr warten, bis er endlich um 20:15 Uhr im Fernsehen läuft.
Die Welt ist dadurch vielleicht einfacher geworden, aber nicht unbedingt schöner.
Früher war das noch anders, denn da gehörte das Warten einfach dazu. Und wenn ich heute darüber nachdenke, dann hatte gerade diese Zwischenzeit ihren ganz eigenen Reiz.
Auch das Warten auf ein neues Buch kam mir damals längst nicht so schlimm vor wie heute. Denn schon Tage vorher malte ich mir die Geschichten aus und freute mich auf den Augenblick, in dem ich es endlich in den Händen hielt.
Ich glaube, wir haben ein wenig vergessen, wie wichtig diese Vorfreude für unser Leben ist. Denn ich glaube, dass das Warten an sich nicht nur schön sein kann, sondern die Dinge auch ein wenig wertvoller macht.
Nehmen wir nur eine Reise. Eigentlich könnte sie doch schon beginnen, lange bevor wir unsere Koffer packen. Und ich erinnere mich, dass es früher auch genau so war. Man las über eine fremde Stadt, kaufte sich einen Reiseführer, plante eine Route und erlebte in Gedanken schon die schönsten Abenteuer. Und dadurch wurde aus einer Reise von drei Tagen ein Erlebnis, das sich über Wochen erstreckte.
Heute können wir uns so viele Wünsche augenblicklich erfüllen, dass wir uns kaum noch Zeit für die Vorfreude nehmen. Und ich glaube, dass wir damit etwas verloren haben.
Aber trotz allem, natürlich werde ich auch heute wieder in mein Postfach schauen, ob meine Bücher endlich verschickt wurden. Und mich wahrscheinlich wieder ärgern, wenn sie noch immer nicht unterwegs sind.
Aber wenn ich es mir recht überlege, ist dieses ständige Nachschauen vielleicht gar nicht so schlimm, denn auch das ist eine Art von Vorfreude.
Nur dass ich inzwischen viel ungeduldiger geworden bin.
Herbstbild
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
(Friedrich Hebbel)
Manchmal, wenn ich morgens durch die Straßen fahre, schalte ich das Radio ein und lasse mich ein wenig beschallen. Ist euch auch schon mal aufgefallen, wie aufgesetzt fröhlich dort alle sind?
Und wie schlimm das gerade am Montagmorgen ist?
Denn da erzählen mir fremde Menschen, wie wunderbar das Leben ist, wie ich gut gelaunt in die neue Woche starten kann und wie viel Spaß da draußen auf mich wartet. Dazwischen gibt es Musik, schlecht platzierte Werbung und ein paar halbgare Motivationssprüche. Alles nur, um mich aufzumuntern, möglichst fröhlich zu stimmen und dann wie einen Eloi in die Welt zu entlassen.
Aber ich will das gar nicht.
Ich will nicht morgens gut gelaunt sein müssen. Ich will einfach schweigend durch die Straßen fahren, meinen Gedanken nachhängen und die Welt betrachten, ohne dass mir jemand erklärt, wie ich mich dabei fühlen soll.
Gerade jetzt im Herbst.
Da möchte ich sehen, wie der Nebel über den Wiesen liegt, wie die Bäume langsam ihre Blätter verlieren und der Reif die Wiesen bedeckt. Denn ich mag diese Stimmung des Vergehens, diese leise Melancholie, wenn die Tage kürzer werden und der Winter langsam näher kommt.
Und ich finde daran nichts Trauriges. Im Gegenteil. Ich glaube, das Leben wäre ziemlich langweilig, wenn wir immer nur fröhlich wären. Gibt es nicht so viel mehr zu empfinden als gute Laune? Wie wäre es mit Sehnsucht, Wehmut, Nachdenklichkeit oder manchmal auch einfach nur der Freude daran, einen Augenblick lang still zu sein?
Und warum sollte ich mir all das von einer lauten Radiostimme kaputtmachen lassen?
Also schalte ich das Radio aus.
Und während irgendwo jemand begeistert verkündet, dass ich mit einem Lächeln in die neue Woche starten soll, fahre ich einsam durch den Morgennebel und freue mich über jeden melancholischen Gedanken, der mich findet.


















