
Carpe diem mit @carpecarmen : Das literarische "Ich" ist OUT. IN sind diese Art der Haiku-Tweets von Lupus Digit: seine Deuku’s (デューク's).
Berlin
Joined July 2013
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Weit nach Mitternacht stehe ich mit einem Glas Crémant d’Alsace auf dem von einer Lichterkette erhellten Balkon.
Auf dem Platz unter mir spricht ein Mann laut mit sich selbst und (s)eine Bierflasche zerschellt auf dem Pflaster.
Keine(r), die(der) ihm zuhört.
Und wer liest mich?
Die Weste verkehrt geknöpft
Das Hemd auf links getragen
Ein Jackett mit zu kurzen Ärmeln
Die Schuhe nicht korrekt verschnürt...
Zeichen eines unkorrekten Lebens?
Oder Lebenszeichen jener Menschen,
die mit den Dir angebotenen Hinweisen
in der Korrektur etwas Positives anstreben?
An einem Abend
Und in der Nacht
Drei Filme gesehen
Und einen Krimi
Auf dem Bett ruhend
Und das Handy in der Hand
Jeder Stream eine eigene Welt
Und Du (er)lebst mit den Protagonisten
Am Folgetag sind sie immer noch da
Und Du bist im Kopf noch bei ihnen
Bis der Alltag kommt.
Meine (vwvvw) FreundInnen:
Die befreundete Ärztin
verweigert jegliches Impfen
Die befreundete Friseurin
wählt die AFD
Der befreundete Programmierer
verweigert sich jeglicher Autorität
Die befreundete Kollegin
verweigert den Sinn der Seele
Der Freund
wettert gegen die Grünen
Es ist Zeit
Es ist Sonntag
Die Luft ist KLAR
Die Uhr tickt LEISE
Der Himmel ist BLAU
Der Wind weht SANFT
Der Verkehr ist RUHIG
Die Glocken sind LAUT
Das Radio ist AUS
Der Rechner ist AN
Die Worte fallen EIN
Das Aufhören fällt LEICHT
Die Aufgabe war SCHWER
"Auf Wiederlesen"
Wochenend-Rätsel.txt
Wochenende!
Wochen-Ende?
Die wörtlich tönende Wochen-Schau
steht auf allzu tönernen Füssen
Der Woche Rückschau gebricht es
im 7-Tage-Rückblick aller Fantasie
Verstehe das
...wer will
Du ach so liebe Zeit
du bist vorbei
Und schreitest doch voran
...noch
Was macht Texte so intim,
dass sie Grenzen des Körperlichen überschreiten?
Warum gelingt es Worten noch zu wirken,
wenn die Kräfte des Körpers Dich verlassen?
Warum schreibst Du ganz alleine,
nicht wissend, wer Dich nachlesen wird?
Sind diese Worte
an Dich selbst gerichtet?
Am 21. Juni 2022:
ist Sommeranfang,
ist Sommersonnenwende,
ist Fête de la Musique: seit 40 Jahren,
ist Krieg in der Ukraine: seit 4 Monaten,
Am Ende des Tages: ist es Nacht.
Am Ende der Nacht:
ist es Sommer
... und immer noch Krieg: in aller Welt
Wann immer der neue Tag beginnt
weil Du erwachend seiner gewahr wirst
überwuchern vortägliche Erinnerungen
die Chancen auf einen Neubeginn
So beginnst Du mit dem Unerledigten
das sich nach der nächtlichen Verarbeitung
er-neut in der Warteliste aufdrängt
den Neubeginn vertagend
Mein unaufgeräumtes Leben
ruft mich zur Ordnung
Aufräumen aber verlangt Zeit
die Du Deinem Leben stiehlst
Während des Nachts Deine Träume
Dein Erleben neu ausgestalten...
... ist tagsüber die Disziplin gefragt
um den Alltag in Reih' und Glied zu stellen
(oder diese Worte ;-)
Im Bad
Zwei Handtuchhaken fixiert
für "Wolf"
für "Gäste"
Plötzlich aber
nutzt morgens der Wolf
das Gäste-Handtuch
So werde ich
zum Gastgeber
meiner selbst
Nach solcher Zweisamkeit
darf der Gast dann auch
das Handtuch wechseln
(... und diese Zeilen schreiben :-)
Nach dem Aufsetzen der Brille
können die Augen in die Welt blicken
Nach dem Öffnen des Joghurtbechers
kann die Zunge den Deckel ablecken
Nach dem Entfernen des Kronkorkens
kann der Mund das Bier schlürfen
Nach dem Stromstart der Rechnerwelt
können die Finger diesen Text tippen
Heimat
... ist ein Zustand
entstanden nach dem Aufgeräumthaben
Aufräumen
... setzt voraus
das AllesanseinenPlatzgebrachthabens
Platzschaffen
... ist nicht nur wegräumen
sondern auch das Einräumenwollen
Lokalisierung
... ist die dauerhafte Zuweisung
eigener Lebensspuren im Raum
Sehen ist noch kein Wahrnehmen
Hören noch kein Zuhören
Reden noch kein Vortragen
Veranlassen ist noch kein Handeln
Verordnen noch kein Befrieden
Verabschieden noch kein Trennen
Schreiben ist noch kein Gelesen werden
Spielen noch kein Erleben lernen
& Dichten noch keine Poesie
Wie schwer war es doch
all diese vielen Bücher
verpacken zu müssen
Wie lang währte es
bis sie den Kartons
wieder entkamen
Wie gut war es dann
ihnen wieder zu begegnen
wie alten Freunden
Jetzt stehen Luther neben Marx
B. Brecht an C.G.Jungs Seite
als Partner der Lebenspartitur
Die ZEIT drängt
... niemanden
Mich drängt die Arbeit
will mir verbieten
mir die ZEIT zu nehmen
für diese Zeilen
Ich aber sage so lange "Nein"
zu solcher ZEITverpflichtung
bis diese Zeilen
geschrieben sind
Und so hinterlässt
diese ZEIT diese Spur
zwischen den Zeilen
ZEITlebens
ER:
Ich mache mir keine Sorgen [um meine Gesundheit]... mache es wie der Mann, der aus dem Hochhaus fiel und sich sagt: "25. Stockwerk, bis hier ist alles gut."
ICH:
Na gut: "Dann grüße ich zurück... vom dritten Stock."
Du hast Besuch von einem Freund
Das Telefon klingelt
Deine Frau meldet sich und sagt
"Ich habe mich verwählt ..."
... und legt auf
Du machst dem Freund einen Kaffee
Montags um zehn
sind Menschen zu sehen
auf Bänken sitzend
in der Sonne, nicht schwitzend
denn noch ist es kalt
doch der Frühling kommt, bald
und
fürs Erwarten ist niemand zu alt


